Das große Gendern

Viele Leut*innen gendern immer mehr – auch dann, wenn es sinngemäß eigentlich keinen Sinn macht. Was hat es mit dem Gendern auf sich, und was spricht dagegen?

Durch das Gendern soll eine Inklusion des politisch weiblichen Geschlechts (Gender) in männlichen Substantiven stattfinden. Völlig überzogen und unnötig für die einen, sehr wichtig für die Anderen. Bislang wurde die männliche Form singular für sämtliche Begriffe werwendet, die sowol weiblich als auch männlich sein können – Beispiel: der Arzt oder: der Handwerker. Um die weiblichen Personen genauso anzusprechen gendern viele.

Doch es gibt auch Kritik am Gendern: Es sei unverständlich, sinnlos und unnatürlich – sogar diskriminierend. Laut BR gibt es allerdings eine Studie mit 150 Teilnehmern, die zu dem Ergebnis kommt, dass das Gendern die Verständlichkeit eines Textes nicht beeinflusst. Nun zu der Frage nach dem Sinn: Tatsächlich zeigen sich auch viele Kandidaten durch eine ungegenderte Sprache weniger von klassischen „Männerberufen“ bzw „Frauenberufen“ angezogen, als bei einer gegenderten Version. Deshalb ist auch die geschlechtsneutrale Stellenausschreibung in Deutschland pflicht. Allerdings kommt gerade aus den Minderheiten der dritten Gendergruppe, der Transpersonen und Geschlechtslosen die Kritik der Diskriminierung: Durch eine reine Aufteilung in männliche und weibliche Formen (z.B. Handwerker*inen) entfällt der Sammelartikel „der“ als repräsentant aller Geschlechter und es wir in nur zwei genderkonontierte Formen aufgeteilt: der Handwerker und die Handwerkerin, die dritten Geschlechter werden jedoch bei dieser zusammengesetzten männlcihen und weiblichen Aufteilung von „Handwerker*inn“ nicht erwähnt und würden somit unterdrückt. Um nun also politisch korrrekt zu sein müsste es folglich „Handwerker*innen*nde“ als Kurzform für „Handwerker*Handwerkerinnen*Handwerkende eines dritten Geschlechts“ oder „handwerklich tätige Personen“ heißen. Auch ohne den einbezugs der dritten Geschlechter wird das Gendern allerdings bereits für eine Umständlichkeit kritisiert.

Wie könnte man das Problem also lösen?

Bei Stellenbeschreibungen ist es natürlich wichtig alle Gender anzusprechen, aber in der alltäglichen Kommunikation und in der Literatur ist es einfach – zumindest mir persönlich – zu umständig und ausgedehnt, sodass man gerade in verschachtelten Sätzen auch den roten Faden verlieren kann. Viel praktischer wäre da doch eine Sprachreform zugunsten des „das“, des geschlechtsunbetonten Artikels einzuführen. Wenn wir alle geschlechtsunspezifischen Begriffe in eine charakteristische neustilisierte „das“ Form verwandeln wären diese Probleme gelöst und man könnte mit der männlichen Form viel besser präzisieren, wenn ein rein männlicher Begriff gemeint ist und so ausdrücken, wenn die weibliche Variante in jenem Einzelfall nicht thematisiert wird.

Also: „das Handwerkende“

Diskriminierung im Plural durch gendern im Singular

Bleibt noch ein weiterer Diskriminierungsvorwurf: Der Plural

Da beim Singular gegendert wird, beim Plural allerdings nicht, können die selben Argumente des Ausschlusses der Frauen bei Begriffen mit männlichen Artikeln im Singular auch von Männern bei den weiblichen Artikeln für geschlechtsunspezifische Begriffe in Plural verwendet werden – das Argument: Wenn man im Singular Frauen durch gendern einbezieht, wieso nicht Männer beim Plural? Beispiel: “ der Handwerker (sgl.) – die Handwerker (pl.) oder der Arzt – die Ärzte“.

So müsste man auch im Plural gendern, also „die Ärzt*innen“ anstellt „die Ärzte“ verwenden. Das Problem: das dritte geschlecht wird durch die reine m/w Aufteilung wieder nicht erwähnt und dadurch ausgeschlossen.

Also: das Handwerkenden

Alles hängt und fällt mit den Adjektiven und Adverben

Das versteckte Problem bleibt jedoch: die Adjektive und Adverben in der männlichen und weiblichen Form – Beispiel: Liebe Leser*innnen / Liebe Lesende; Hier wird die weibliche Form von „Lieb“ verwendet, obwohl wir ja geschlechtsneutral schreiben wollen. Es muss also heißen: „Lieb Lesende“ oder „Liebes Lesende?“ Hier wird jedoch die männliche Form für „das“ verwendet, was wiederum die Männer in den Vordergrund rückt.

Die Pronomen

„Also lieb Lesendes oder besser im Plural: liebs Lesenden, bitte beachtet dass Ihr“ – nee; besser „alle“, da Ihr weiblich klingt. Pronomen können nämlich auch männlich oder weiblcih konotiert sein.

Also liebs Ledenden, bitte beachtet auch alles korrekt zu gendern ohne zu dirskriminieren, auch wenn das Form nun viel ungewohnter klingt. Denn das Grammatik des Deutsch hat sich für uns als das Deutschenen anders eingewöhnt – oder wir lassen das Gendern einfach und verwenden weiterhin die altbekannten Formen: der für den Singular, die für den Plurar. Entscheidet selbst.

4 Gedanken zu “Das große Gendern

  1. Ich bin selbst gegen das Gendern. Es mag das Leseverständnis nicht reduzieren, aber es macht doch alles unnötig kompliziert, besonders wenn du sprichst. Generell finde ich die Debatte ums Gendern überzogen, weil es gibt auch Ungerechtigkeiten bezügich der sozialen Herkunft oder der Hautfarbe, aber die fordern ja auch nicht eine eigene Anrede. Ich benutze konsequent nur eine Form und habe eine Heidenspaß mir in meiner Freizeit falsche Pronomen zu geben und mein Umfeld falsch anzureden. Das bringt viel mehr über Geschlechter zu sprechen als ständig das dritte Geschlecht auszuschließen.
    https://uberlaufer.wordpress.com/2020/03/31/die-griffeln-aus-der-hosentasche/

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      1. Stimmt, aber wenn man gerndert, dann ja weil man durch die Verwendung der aktuellen Form ein Geschlecht diskriminiert sieht. Wenn sich also der Mensch und Sachen eine Form teilen, kann man dadurch den Menschen genausogut auch entwertet sehen – da sich ja gnauso die Gender in allen variationen mit den Sachen eine Form teilen, wie es früher die einzelnen Gender untereinander gemacht haben. Das heißt man brüchte eine spezielle Form für die gesammelten Gender, also alle Menschen, und für Gegenstände

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