Incels – menschliche Zeitbomben

Involuntary celibate – Unfreiwillige Junggesellen /-frauen sind Menschen, die, ohne es zu wollen, noch nie in ihrem Leben eine Partnerin gehabt haben, somit also noch nie Sex oder auch häufig nie einen Kuss.

Laut Freud hat der Mensch eine Persönlichkeit, die in 3 Teile aufgeteilt werden kann – das Überich, das Ich und das Es. Das Überich ist unsere Vernunft und unser Gewissen, das Es unser Verlangen und das Ich sind wir und das, was wir tun; der kritische Verstand und auch der Triebverzicht und -aufschub. Das ich bestimmt wie wir reagieren. Wenn eines dieser Elemente unserer Persönlichkeit stets unterdrückt wird, soll dies laut Freund auf lange Sicht nicht gesund sein und kann eine Tat provozieren, die man unter normalen Umständen überhaupt nicht machen würde.

In Hinblick auf die Gruppierungen der Incels scheint sich seine Theorie klar zu bestätigen. In Communities wie incels.co tauschen sie sich mit Personen aus, die gleiche Erfahrungen haben. Incels.co ist dabei die größte und bekannteste Plattform – und sie ist öffentlich zugänglich.

Dort liest man Kommentare wie: „Ich denke oft daran mich selbst zu töten oder einen Amoklauf zu machen.“

„Ich bin 25 Jahre [alt], ungeküsst und eine Jungfrau. Ich will Menschen kennenlernen, denen es ähnlich geht.“ stellt sich ein Mitglied vor. Ein Anderer sucht nach Freunden, um mit ihnen in ein Land zu reisen, wo Frauen weniger Rechte haben, um sich bei einer Heiratsvermittlung eine Frau zu kaufen. Wieder Andere fordern, dass es eine staatliche Zuteilung von Freundinnen gibt. Weitere fordern, dass Vergewaltigungen legalisiert werden.

Ein Nutzer äußert seine Absicht sich zu töten und erklärt, warum er keinen anderen Ausweg sieht. Als er nach einer Weile noch im Forum schreibt wird er gefragt, warum er denn noch da ist – ob er denn noch kein Seil gefunden habe. Ein Anderer schlägt vor, dass er dies doch live streamen sollte.

Suizid und Gewalt sind in dem Forum omnipräsent. Aber auch Fremdenhass. Die Verzweiflung eines Manchen ist zu einem Frust – nein viel mehr einem abgründigen Hass dem anderen Geschlecht gegenüber ausgeartet. Um jenen eine kleine Freude im finsteren Abgrund der Gefühle zu bereiten postet Einer Bilder von weiblichen Leichen – echte Bilder.

Eliot Rodgers, bekennender Incel, hat an der University of California in Santa Barbara bei einem Amoklauf sechs Menschen getötet, 13 weitere Verletzt und sich zum Schluss selbst die Kugel gesetzt. In der Incel Community wird er wie ein Held gefeiert.

Auch die Rechte Szene versucht diesen Frust auszunutzen. Sticheleien und Propaganda wie „die Ausländer nehmen uns die möglichen Freundinnen weg zünden hier bei manchen wie eine Fackel in einer dunklen Höhle voller Dynamit. Weitere Amokläufe und rassistisch motivierte Misshandlungen sind das Resultat. In der Datenblase gefangen werden sie immer mehr mit Bildern von „interrassischen“ Paaren gefüttert. Rechte Gruppen zeigen sich sehr familiär. Man verstehe und Teile das Leid, man bildet Gruppen, in denen die Ausgegrenzten ganz normale Mitglieder sind, in denen sie sich gebraucht, geliebt und wichtig fühlen. Und in einer undurchdringbaren Blase jenes Gedankengutes, das sie nun umgibt, gefangen werden. Wer aussteigt verliert sein komplettes Sozialleben. Man will also dazugehören und hinterfragt nichts.

Aber auch abgesehen von der Rechten Manipulation ist die Datenblase sehr gefährlich, die die Incels umgibt. Sie haben keine Möglichkeit mehr an etwas Anderes als ihr Leid zu denken, was sie innerlich auffrisst. Die Chance auf eine Freundin oder Partnerin scheint ihnen fast so unrealistisch wie das Kennenlernen von Aliens.

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