Der Foltersenat

Der Berliner Senat hat mehr Menschenrechtsverletzungen zu verzeichnen als durch die Umrüstung auf Elektrobusse [1]

Ende der 1960er Jahre hat der Berliner Senat angefangen, noch im damaligen West-Berlin, als schwer erziehbar abgestempelte Kinder in die Obhut von Pädophilen zu geben. Bis 2003 wurde das sogenannte „Kentler-Experiment“ durchgeführt. Die Durchführung erfoglte von den zuständigen Jungendämtern mit Legitimation deren Dienstherren, des Berliner Senats. Aufgearbeitet wurde der Missbrauch von der Universität Hildesheim vor einiger Zeit.

Nun allerdings bringen zwei der Opfer den Mut auf in einem Interview über die Misshandlungen zu sprechen. Erkannt werden wollen Sie jedoch nicht, weswegen hier im Folgenden die Namen verändert werden. Die beiden, Mirko und Sabor waren von 1988 (Sabor: 1991) bis 2003 in der … „Betreuung“ … von Fritz H.

Am Anfang war Herr H. sehr freundlich und sympathisch, wie die Beiden berichten. So, wie in wohl den meisten Fällen. „Er hat versucht uns für sich zu gewinenn“, meinten sie. Und da die aufgrund ihres Alters noch nichts besonders kritisch waren, war dies auch recht einfach für ihn, fügt Sabor hinzu. „Ich war ihm zum ersten Mal im Krankenhaus begegnet, und, wenn ich ganz ehrlich bin, war ich schon ein Monat später in dieser Pflegestelle drinnen. Also das mich da jemand hin geschickt worden bin oder so habe ich nicht mitbekommen, für mich war es so dass ich einfach von heute auf Moren dort gelandet bin.“ „Also man wurde einfach wie ein Produkt vorgestellt und der Täter – die Pflegefamilie hat dan beurteilt ob man einen mitnehmen will oder nicht. Wir wurden nicht gefragt, da wurde einfach mitgenommen.“ fügtnMirko hinzu.

„Wie war Ihr Leben mit Fritz H. als Erziehungsberechtigten?“, fragt der Reporter.

„Also das Leben war von Anweisungen geprägt“, antowortet Mirko, “ […] also irgendwie Spielplatzbesuche oder Ausflüge oder Urlaube hat man nie gemacht, also man wurde sektenartig abgeschirmt von der Außenwelt.“ Auch durften sie so niemanden treffen, keine Schulfreunde oder ähnliches.

„Man hat täglich um sein Leben gekämpft“ beklagt Sabor. „Wir mussten ja auch, um weiter in dieser Pflegestelle zu bleiben, auch halt gewisse Sachen tun, die man sonst nicht getan hätte, um halt diese Angst, die man jeden Tag mitbekommen hat … ‚Wenn du das nicht machst schicke ich dich ins Heim‘, ‚Wenn du das nicht machst kommst du wieder irgenwo hin, kannst du wieder Müll aus der Mülltonne essen und ähm … das ist ganz normal, ich bin dein Vater, du bist mein Kind, das ist normal …‘ und dementsprechend hat man auch so dieses Normale mitbekommen, dass man angeschrien wird, dass man runtergemacht wird, dass man so … also so bezeichnet … eine Art von Anerkennung … jemand nimmt mich war. Je schlechter er mich behandelt, wiel man es mit ihm ja eins zu eins rüberkommt … desto mehr hat man den Eindruck dass dieser Mensch für jemanden wichtig ist … dass das halt krank ist undd fatal ist, was man so erlebt hat, weiß man erst jetzt erst. Aber wie gesagt, jeder einzelne Tag mit dem Mann war ein Tag ums Überleben und ein Tag ums Selbst zu erhalten, was man halt noch so übrig gehabt hat.“

Wie haben Sie erkannt dass etwas in Ihrem Zuhause, in ihrem Leben nicht in Ordnung ist? Wie hat sich das angefühlt damals?

Mirko: Also, erkannt haben wir dass das Leben so nicht normal ist, als wir mehr oder weniger die Pflegestelle verlassen haben. Also zum einen, das war ein Lebensjahr, leider … also Sie müssen sich das so vorstellen, man wusste mit 21 noch nicht mal wie man eine Überweisung tätigt, dass man Strom bezahlen muss, oder ähm dass man Miete bezahlen muss, dass […] ist wie wenn wir erst aus dem […] Amazonas gelockt wurden und das hat er unheimlich geschickt gemacht. Auch uns gegeneinander ausgespielt, man war quasi nur in seinem Zimmer und als wir dann mit anderen Menschen in Kontakt gekommen sind wurde uns erst bewusst dass das nicht so real ist wie er es uns beigebracht hat.“ „Man war den ganzen Tag in seinem Zimmer eingesperrt und durfte nie mit dem Anderen reden“, fügte er hinzu. „Wir haben erst vor drei Jahren angefangen miteinander zu reden und auch heute noch ist es sehr schwierigüner das was uns passiert war zu reden […] und sich überhaupt kennen zu lernen“ ergänzt Sabor. Beide sind heute noch nicht arbeitsfähig. Einer von beiden ist zum Glück bereits schon soweit, dass er geheiraten und hat Kinder bekommen hat, der Andere ist leider noch alleinestehend.

Welche Art von Mensch war Fritz Henkel?

„Also ich vergeliche ihn immer ganz gerne mit einer Persönlichkeit – kennen Sie Klaus Kinski? Da gibt es bestimmte Videoaufnahmen, wie er cholerisch explodiert und einen Mitarbeiter nur beschimpft. Und genau so müssen sie sich den alltäglichen Standart vorstellen, wie gespräche stattgefunden haben. Also so konversationen, Gespräche wie wir sie jetzt führen, gab es nicht. Es gab Anweisungen, Geschreie, und wenn man nicht, wie er sagte, pariert hat, gab es Prügel und es wurde auch immer erwähnt, dass er nicht uns schlägt, sondern den Teufel in uns. Also der Mann war ein kompletter cholerischer Psychopath meiner Meinung nach. Wir hatten auch ein mehrfach schwerbehintertes Kind, einen Pflegebruder, der konnte nicht laufen und sprechen, war mehrfach schwerbehindert, und den hat er ja mit Müllermilch und Sojapulver gefüttert, hat den aufgerissen, sein Mund, hat Getränke eingeflöst und wenn das arme Kind nicht wollte, dann hat er es auch geschlagen. Ich erinnere mich noch, wie sein ganzes Auge blau gewesen ist. Und er, Marcell Kramer, ist auch mit 21 an einer normalen Grippe gestorben, also in unseren Augen normaler Erstickungstod, also so ein Mensch war er.“, antwortet Mirko.

Sabor wird immernoch regelmäßig von Suizidgedanken geplagt. „Ich bin das Produkt eines Kinderschänders, was bin ich der Welt wert“, sagt er.

Zum ganzen Interview

Urpsrünglich sollte es ein „Experiment“ sein: Der Sexualwissenschaftler Helmut Kentler vermittelte ab den 1970ern bis in die 2000er Jahre Kinder, die als besonders „schwere Fälle“ galten, bewusst an zum Teil vorbestrafte pädophile Pflegeväter. Mit Hilfe des Berliner Senats. Dabei warnte Kentler die Eltern sogar davor, selbst bei unfreiwilligen sexuellen Kontakten von Kindern mit Erwachsenen die Behörden einzuschalten. So schreibt er in dem Buch „Eltern lernen Sexualerziehung“ aus dem Jahr 1975:

Am verkehrtesten wäre es jetzt, wenn die Eltern die Nerven verlieren, in Panik geraten und gleich zur Polizei laufen würden.

Ferner war er der Überzeugung, dass wenn der Erwachsene rücksichtsvoll und zärtlich gewesen sei, das Kind den Sexualkontakt mit ihm sogar genossen haben könne. In dem Buch „Sexualerziehung“ schreibt Kentler auch:

Frühe Koituserfahrungen seien sinnvoll, denn koituserfahrene Jugendliche „fordern eine eigenständige Welt der Teenager und lehnen die Normen der Erwachsenen häufiger ab“.

Dieser Mann also durfte Findelkinder und Straßenkinder aus Westberlin (sogenannte „Trebegänger“) jahrzehntelang an „Pflegestellen“ vergeben. Bei der am Dienstag präsentierten Studie handelt es sich nach dem Gutachten des Göttinger Instituts für Demokratieforschung von 2016 um das zweite Forschungsprojekt zum Fall Kentler, das von Scheeres initiiert und von der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie finanziell gefördert wurde.

RT -„Heilung durch Pädophilie“ – Wie sich der Berliner Senat zum Komplizen von Kindesmissbrauch machte

In der Studie der Universität Hildesheim konnten erstmals auch Aussagen und Erfahrungen von insgesamt drei Betroffenen berücksichtigt werden, die als Kinder und Jugendliche Übergriffe und massive sexualisierte Gewalt durch Pflegeväter erleiden mussten.

Der Berliner Senat erkennt jedoch seine Schuld an.

Die Senatorin betonte, dass das Land Berlin die Verantwortung für das Leid übernehme, das Schutzbefohlenen in öffentlicher Verantwortung angetan wurde. Mit dem neuen Wissen seien den Betroffenen Gespräche über eine finanzielle Anerkennung ihres Leids angeboten worden, auch wenn die Taten mittlerweile verjährt seien. Das Land Berlin werde sich für die weitere Aufarbeitung einsetzen, insbesondere mit Blick auf die deutlichen Hinweise auf bundesweite Zusammenhänge. Darüber hinaus werde geprüft, welche Lehren für die heutige Pflegekinderhilfe in Berlin zu ziehen seien. Hierfür sei bereits eine Studie zur aktuellen bezirklichen und gesamtstädtischen Struktur der Pflegekinderhilfe in Auftrag gegeben worden.

RT über ein Statement des Berliner Senats.

Hier jedoch die Verjährung überhaupt zu erwähnen wirkt grotesk und erinnert daran, dass unser Gesetzeswerk noch fern von der Perfektion ist.

Helmut Kentler is im Jahr 2008 verstorben. Er war Sexualwissenschaftler und Professor für Sozialpädagogik an der Universität Hannover.

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