Tempolimit adiós

Der Tag der großen Entscheidung. Deutschland starrte zitternd auf die Uhr, langsam tickte sie vor sich hin, immer und immer langsammer. Zehn Mal hintereinander wurde das Postfach nach Updates durchsucht und verzweifelt an den Fingernägeln gekaut. Dann der Paukenschlag und wie auf ein Mal riss es Mehrheit der Nation vor Freude von den Stühlen – zumindest ein Teil von uns mag den Tag, von dem ich rede, so wahrgenommen haben. Und nein, es geht nicht um den Brexit – das Tempolimit auf deutschen Autobahnen wurde vom Bundestag abgelehnt.

Ein klares Zeichen für vermeintliche Klimaschützer und selbst ernannte Verkehrsexperten, die aber nie an jenem Teilnehmen, sondern Bahnfahren oder sich als Freiwild zu verfügung stellen indem sie generell beim Abgiegen schneiden, bei Rot über die Ampel rasen und grundsätzlich keine funktionierenden Lichter haben – die Fahrradfahrer, das ihre laut betriebener Populismus doch nicht so populär war, wie gedacht – manchen egal, doch am Ende entschied halt nun doch die vom Volk legitimierte Mehrheit. Und das im Sinne des Volkes.

Denn es gibt eigentlich nur zwei wesentliche Argumente für Tempolimits – Umweltschutz und Unfallsicherheit.

Widmen wir uns erst ein mal der Unfallsicherheit – diese hängt nicht nur mit der Geschwindigkeit, sondern hängt auch mit dem Gewicht und der Sicherheit des Autos zusammen. Je größer und schwerer das Auto, desto stärker sind die Kräfte beim Aufprall, auch bei geringeren Geschwindigkeiten. Deswegen dürfen LKWs auf Landstraßen auch nur 60km/h fahren – auch wenn sich nur die Wenigsten daran halten.

Auch muss bedacht werden, das Crashtests nur mit einer Geschwindigkeit von bis zu rund 60km/h durchgeführt werden. Somit ist es also relativ egal, ob man mit einer Geschwindigkeit von 130 oder 300 km/h verunfallt – wenn es passiert, passiert es eben. Gerade deshelb muss man dafür sorgen, das es eben überhaupt nicht erst passiert. Hier in Deutschland haben wir allerdings eines der sichersten Autobahnsysteme, was sich auch statistisch zeigt. Die meisten tödlichen Unfälle passieren hier im Haushalt – dort scheint es aber keinen zu stören.

Viel wichtiger ist es so, das wir uns auf der Autobahn so verhalten, das nicht überhaupt Unfälle passieren. So ist es unerlässlich, das wir uns an das Rechtsfahrgebot halten, und nur – und wirklich ausschließlcih nur – zum Überholen auf eine der linken Spuren ausweichen. Denn wenn der klassische vermaledeite Links-und Mittelspurschleicher seines Hobbys tätig ist und dort mit 120 umhergurkt erhöt das enorm das Umfallrisiko, da der kommende Verkehr mit rund 250 km/h stark bremsen muss, was einen Domino-stein effekt auslöst und somit jeder immer etwas stärker bremsen muss, bis der letzte in der Reihe nicht mehr rechtzeitig reagieren kan und / oder einen zu langen Bremsweg hat. Aus welchen Gründen auch immer jene Leute dies machen, aus Neid an anderen wegen der Autos, die schöner und schneller sind als das Eigene, oder einfach aus Egoismus und Faulheit. So ein verhalten ist genauso gefährlich, wie wenn man mit über hundert Tempo über den Berliner Kudamm rast. Bei dem berühmten Unfall auf letzt genannten entschieden die Gerichte auf Mord. Ein Exempel, das sich auch für tödliche Unfälle duch Spurschleicher statuiern sollte.

Speed has never killed anyone. Suddenly becoming stationary, that’s what gets you.

Jeremy Clarcson, ein umstrittener Moderator, der sein Leben mit Reportagen über Sportwägen verbringt.

Unfälle passieren, aber jene durch verantwortungsloses Verhalten zu provozieren ist nicht vertretbar. Die Auswikungen ob hohes Tempo oder Richtgeschwindigkeit spielen dabei auch keine große Rolle mehr. Wenn es passiert, passiert es nunmal, so oder so.

Am aller wichtigsten ist aber das eine: Die Fraktion, die meint sie will doch überhaupt nicht so schnell fahren, es reicht mir doch 130 fahren. Natürlich, aber schau mal um dich herum. Da gibt es noch andere, die nicht du sind, die sehen das vielleicht anders. Niemand zwingt einen schnell zu fahren – oder lagsam zu fahren. Und genau so soll das auch bleiben.

Ein Komentar von Anne Schneider in der Neuen Züricher Zeitung, am 31.13.2019 erschienen zieht das bei dem verwandten Thema von Böllern auch so und spricht so auch das Tempolimit an.

Man muss kein Raketenfreund sein, um in einem Totalverbot eine unverhältnismässige Beschränkung der freien Lebensführung zu sehen. Denn das Argument, es habe niemand etwas von Böllern, weshalb man sie ebenso gut verbieten könne, hinkt. Es stellt die Entscheidungsfreiheit jedes Einzelnen nämlich nicht nur infrage, sondern negiert sie. Als wäre der Respekt vor der eigenen Mündigkeit verloren gegangen – oder schlimmer: nie vorhanden gewesen. Man könnte die deutschen Verbotsdebattenschleifen getrost ignorieren, wenn sie kein fatales Menschenbild offenbarten: In diesem muss der Bürger nicht nur vor sich selbst geschützt werden. Paternalistisch wird davon ausgegangen, dass nur Verbote die Deutschen daran hindern, sich mit Autos, Böllern oder Zigarettenrauch gegenseitig umzubringen.

Anna Schneider: Keine Raketen und Böller an Silvester in Deutschland: neues Jahr, alte Verbotsgelüste, Berlin 31.12.2019, NEUE ZÜRICHER ZEITUNG

Kein Tempolimit heißt nicht, das man rasen muss – es heißt da man die Freiheit durch das Recht hat, der Verkehrs- und Straßensituation entsprechend zu fahren

Umweltschutz

Kommen wir nun zum Thema Umweltschutz. In einem Verwanten Artikel – Politik für statt gegen den Klimawandel? Eine Bewertung der Methodiken – wurde bereits näher darauf eingegangen.

Nicht nur, das das Auto einen verschwindend geringen Anteil zum Klimawandel beiträgt – die höhe der Geschwindigkeit hat auch nur beschränkt etwas damit zu tun. Denn es ist nicht die Geschwindigkeit, die die Emissionen produziert, sondern die RPM, Rounds per Minute, also die Anzahl der Bewegungsablaufsrunden des Motors in der Minute. Denn nur bei einem Ablaufszyklus wird Treibstoff verbrannt, und zwar immer gleich viel. Je mehr Zyklen, also je mehr RPM, desto mehr Sprit wird somit verbrannt. Natrülich, je schneller man fährt, desto mehr Abläufe gibt es. Aber wer es noch nicht bemerkt haben sollte, rechts neben dem Lenkrad gibt es so etwas, das sich Schaltknüppel nennt. Mit dem kann man wie beim Fahrrad die Gänge wechseln. So braucht man sich – äh der Motor sich bei höheren Geschwindigkeiten nicht mehr so abstrampeln, er fährt also bei gleicher RPM schneller im zweiten als im ersten Gang. Und je mehr Gänge man hat, desto schneller kann man bei gleicher Umdrehungszahl fahren und somit die gleiche Menge an Emissionen ausstoßen wie wenn man 30 km/h fährt. Da die modernen Autos auch ausreichend PS haben, ist nicht ein Tempolimit, sondern eine Minstestanzahl an Gängen für schnelle Autos, was wir brauchen. Und das Beste ist – es gibt Automatikautos, die schalten bereits von alleine.

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